Coursing-Europameisterschaft in der Slowakei, 14.-20. Juni

Wie schnell doch ein Jahr vergeht. Gerade noch hatten wir Finnland gefeiert, jetzt waren wir schon wieder auf dem Weg, dieses Mal in die Slowakei. Endlich! Lange war darüber beraten und diskutiert worden, nun waren Peter, Steffi, Torsten, ich und neun Deerhounds "on the road again".

Den ersten Zwischenstopp machten wir bei Eva Vorbonikova, die in der Nähe von Brünn lebt. Eva hatte uns ihr Gartengrundstück zum Übernachten angeboten, was wir gerne annehmen wollten. Allerdings entpuppte sich das Ganze als sehr enge Geschichte; Peter wird wohl noch nächtelang davon geträumt haben. Denn die Ein- und Ausfahrt des Grundstückes war nicht nur kaum breiter als unser Gefährt, sondern auch noch steil ansteigend. Dazu mussten wir von einer typisch huckeligen tschechischen Dorfstraße einbiegen und auf demselben Weg rückwärts wieder herausfahren. Mir ist es heute noch ein Rätsel, wie wir das geschafft haben. 

Am nächsten Tag ging es dann früh weiter in Richtung Velke Pole. Die ganze Fahrt über regnete es, bis auf ein paar kurze Unterbrechungen, so stark, dass die Scheibenwischer es kaum schafften. Aber wir liessen uns unsere Stimmung nicht vermiesen. Wie heißt es doch so schön: Wenn Engel reisen!

Kurz vor dem Ziel brach der Himmel auf und bei Sonnenschein erreichten wir den Veranstaltungsplatz. Der Service war sehr gut, sofort kam jemand, der uns in Empfang nahm und uns zu unserem Stellplatz lotste. Wir hätten aber auch nicht fünfzehn Minuten später kommen dürfen, denn kaum standen wir an unserem Platz, fing es wieder wie aus Kübeln an zu schütten. Wir konnten nicht einmal die Hunde ausladen. So saßen wir eine ganze Weile mit langen Gesichtern im Bus und warteten auf das Ende des Wolkenbruchs. Das kam dann gegen 18.00 Uhr. Endlich konnten wir unseren Zaun aufbauen und die Hunde herauslassen. Wie immer mit einem heillosen Durcheinander. Das Putzen des Wohnwagens hätte ich mir sparen können, denn innerhalb weniger Minuten, war der ganze Platz zu einer einzigen Schlammwüste geworden.  Der erste Abend wurde somit im Wohnwagen verbracht, Steffi sorgte wie eine Mutter für uns und es wurde doch noch ganz gemütlich. 

Die restlichen Tage zeigten sich dann aber bei bestem Wetter. Donnerstag und Freitag standen im Zeichen des Faullenzens, Geländeerkundens, Eröffnungsfeier und Tierarztkontrolle. Wie immer gab es hier und dort ein großes Hallo, interessante Gespräche wurden geführt und bis in die Nächte hinein gefeiert. In besonderer Erinnerung wird mir Steffi's "Beingitarre" bleiben. 

Am Samstag war es dann soweit, die Hauptakteure, unsere Deerhounds hatten ihren Auftritt. Insgesamt gingen 14 Hündinnen und 12 Rüden an den Start. Die Kurse, auf denen sie ihr Können unter Beweis stellen mussten, waren mit das Beste, was wir bisher gesehen hatten. Lange Wege, bergauf und bergab, wechselten sich mit technischen Ecken und Kanten ab. Uns war klar, hier mussten unsere Hunde wirklich etwas leisten, mussten absolut fit sein. 

Und das waren sie! Alle zeigten Läufe, die die Zuschauer und uns begeisterten. Selbst unsere "Oldies" waren nicht zu bremsen. Nachdem ich die letzte meiner Hündinnen gestartet hatte, verlangte ich verzweifelt nach einem Sauerstoffzelt. Natürlich hatte niemand eines dabei, aber wie immer war Steffi zur Stelle mit einer gut gefüllten Wasserflasche.  Sie nahm mir die Hunde ab und so konnte ich dann auch noch unsere Rüden  bei ihrer Arbeit bewundern.  Danke Steffi! Ohne dich wäre das alles so nicht möglich gewesen.

Bis auf KurtCobain kamen alle Hunde gesund und munter aus dem Rennen. Kurt hatte sich im ersten Kurs leider eine Zehe luxiert, was einen weiteren Start natürlich ausschloss. Sabine war schwer enttäuscht,  wir alle mussten sie trösten. Schliesslich lag Kurt nach dem ersten Lauf mit neun Punkten Vorsprung an erster Stelle, was unter normalen Umständen kaum noch aufzuholen ist. Aber natürlich können solche Dinge passieren und dann heisst es, im Sinne des Hundes zu handeln und ihn zurück zu ziehen.

An diesem Tag gab es aber auch noch zwei ganz besondere Highlights. Anna und Jochen Kopp waren zum Zuschauen gekommen.  Da Anna im Rollstuhl sitzt, zerbrachen wir uns den Kopf, wie wir sie an die Kurse bringen konnten, was bei diesem Gelände nicht so einfach war. Und bevor wir zu einem Ergebnis kamen, hatte Elke Wittka, unsere Teamleiterin, schon den Veranstalter gefragt, ob sie Anna nicht mit dem Geländewagen hinfahren konnten. Und die liessen sich nicht zweimal bitten. Pünktlich zum ersten und später auch zum zweiten Kurs, wurden Anna und ihr Rolli ins Auto gehoben und vor Ort gefahren. Ein ganz riesige Dankeschön dafür! So etwas ist heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich, hatten die Verantwortlichen doch auch noch eine Menge anderer wichtige Dinge zu tun. 

Das zweite Highlight kam dann von den Landstuhlern direkt. Sie waren für den ersten Kurs verantwortlich. Als alle Läufe durch waren, durften Annas und Jochens Hunde Islay's Katie und Islay's Kayleigh einen Probelauf machen. Und nicht nur das: Anna wurde auf das Quad gehoben und Uwe Wittka fuhr mit ihr die gesamte Strecke ab, damit sie sehen konnte, was ihre Hunde leisten mussten. Hut ab! Wir hatten Tränen in den Augen. Das werde ich euch nie vergessen, Uwe!

Die Platzierung am Abend wurde dann ein echtes Ereignis. Denn bei den Hündinnen waren sämtliche Platzierten deutsche Hunde, was es wohl noch nie gegeben hatte. Platz 1 Islay's Iolana Inshriach, 2. Islay's Jodee-Faye, 3. Cunamara's Nova Scotia von Eva Petzold (eine Tochter von Islay's Ingwer und Cunamara's Miles), 4. Islay's Hyra, 5. Islay's Jillaroo, 6. Islay's Kismet. Auf dem 7 Rang landete Hollyhock, für mich eine der Besten, aber leider hatte sie sich im zweiten Lauf einmal verpokert, was von den Richtern scharf abgestraft wurde. Nachdem die Hündinnen platziert waren, dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis die Begeisterung des deutschen Lagers etwas abgeebt war und es mit den Rüden weitergehen konnte. Hier konnte Islay's Jackaroo den Titel für sich holen, Platz 2 erlief sich Nelungaloo Untouchable von Esther und Beny Bühler aus der Schweiz, Rang 3 ging an Livingston Palantiri von Lieve Andries/Belgien (ein Sohn von Islay's Hannah und Cunamara's Miles), auf Platz 5 stand Nelungaloo Meshach (der Vater von Jillaroo und Jackaroo). Man könnte meinen, es sei ein reines Familientreffen gewesen.

Reich beschenkt wanderten wir zum Wohnwagen zurück, und wieder einmal wurde es eine lange Nacht.

Am Sonntag war dann relaxen und regenerieren angesagt. Mittlerweile war es sehr heiß geworden und einige von uns holten sich tatsächlich einen Sonnenbrand. Montag morgen, natürlich etwas später als geplant, brachen wir unsere Zelte ab und begaben uns auf einen 16-Stunden-Trip, nur unterbrochen von einigen Tankstops und Spazierengehen mit den Hunden, in Richtung Heimat. Geschafft kamen wir um 1.00 nachts zuhause an. Aus dem Absacker wurde dann nichts mehr, wir fielen alle ziemlich sofort in unsere Kojen. 

Auch diese EM war ein Erlebnis wert. Die Landschaft, die netten Leute, Freunde, Bekannte, alle trugen dazu bei, dass wir uns pudelwohl gefühlt haben.  Und einige Male hörte ich den Satz: Von mir aus können sie die EM jedes Jahr in der Slowakei machen!

 

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© Joachim Johannsen