Coursing-Europameisterschaft in Husby, Schweden

21. bis 27. Juli 2008

Als man uns fragte, ob wir in diesem Jahr an der EM in Schweden teilnehmen wollten, haben wir im ersten Moment nur mit dem Kopf geschütteln. 1400 km zu fahren, nur um den Hund zweimal ein paar Minuten laufen zu lassen, erschien uns doch zu verrückt. Aber nach ein paar Tagen Überlegens sagten wir uns, warum nicht? In Verbindung mit einem Kurzurlaub konnte das ja richtig nett werden.

 

Gesagt, getan. Dank Anky, die in dieser Zeit die restlichen Tiere einhüten wollte, ließ sich dieser Urlaub verwirklichen. Und so zogen Erin, Uisce, Joachim und ich am Dienstag los in Richtung Schweden. Wir liessen es gemütlich angehen, suchten uns am späten Nachmittag einen schönen Campingplatz, wo wir unser Gespann direkt an einem See abstellen konnten. Abends saßen wir dann gemütlich vorm Wohnwagen, genossen die schwedische Sommerluft, die Hunde lagen entspannt herum, kurzum, es war ein guter Einstand.

 

Am nächsten Morgen ging es weiter durch die herrliche schwedische Landschaft in Richtung Husby. Dort angekommen, konnten wir uns einen Standplatz aussuchen. Wie sich herausstellen sollte, genau den Richtigen. Denn es wurde noch unerträglich heiß, aber unser Wohnwagen bekam nur die angenehme Morgensonne ab und lag dann den Rest des Tages im Schatten.

 

Da die Deerhounds erst am Samstag an den Start gingen, hatten wir jetzt noch drei Tage Zeit, Sightseeing-Touren zu unternehmen, lange Spaziergänge mit den Hunden zu machen und uns in dem nahe gelegenen See zu erfrischen. So langsam trafen immer mehr Teilnehmer ein, ein ständiges Hallo in allen Sprachen hallte über den großzügigen Platz. Die Stimmung auf so einer großen Veranstaltung ist immer etwas ganz Besonderes.

 

Freitag abend war dann die Eröffnungsfeier, die im Vorhof eines wunderschönen Schlosses statt fand. Den Kilometer Fußweg dorthin gingen die Nationen Fahnen schwenkend, geleitet von einer historischen Pferdekutsche. Das Flair dieser Feier war unbeschreiblich, alle waren fröhlich und gut gelaunt. Diese Feier ist meiner Meinung nach nicht mehr zu toppen.

 

Das Coursing fand am Samstag bei Temperaturen statt, die eigentlich kaum zu ertragen waren. Zum ersten Kurs mußten wir eine Weile laufen, während dessen wir die Hunde mit nassen Handtüchern eindeckten.  Die Rollen waren auf einer riesigen Wiese gesteckt, die komplett von den so bekannten schwedischen Wäldern umgeben war. Als am Mittag die Deerhounds an den Start gingen, stand die Hitze flirrend über uns. Aber wieder einmal schienen wir Menschen mehr darunter zu leiden, als die Tiere. Die Hunde zeigten jedenfalls keinerlei Ermüdungserscheinungen und ein Richter sagte später sogar zu mir, er hätte noch nie einen Deerhound so laufen sehen wie Uisce. 

 

Am Nachmittag ging es dann nach einer kurzen Ruhepause an eine Hangwiese. Uisce wiederholte ihre hervorragende Leistung vom Mittag. Erin, die im ersten Kurs auch sehr engagiert gelaufen war, lief dieses Mal sehr gut los, verlor allerdings in der zweiten Hälfte doch etwas die Lust. Als ihre Partnerin kurz stehen blieb, tat Erin es ihr gleich. Grund war aber, wie wir später erfuhren, ein Fehler in der Technik der Hasenzugmaschine. Der Hasenzieher konnte nicht mehr bremsen und zog den Hasen somit viel zu schnell um die Kurven, so daß die Hunde ihn zeitweise nicht mehr sehen konnten. Erin und ihre schwedische Begleiterin liefen zwar wieder los und verfolgten den Hasen dann auch bis ins Ziel; aber die Richter sahen in ihrem Verhalten einen groben Fehler und disqualifizierten Erin. Ihre Partnerin, eine schwedische Hündin, blieb allerdings in der Wertung, was mich doch etwas irritierte. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

 

Abends ging es dann zur Siegerehrung. Wieder kochte die Stimmung auf dem Höhepunkt, es war einfach fantastisch. Als Uisce dann noch als Vize-Europameisterin gekürt wurde (punktgleich mit der Siegerin), war der Tag für uns perfekt. Wir waren ja so stolz!

Natürlich wurde danach bis tief in die Nacht am kalten Buffet gefeiert und gefachsimpelt. 

 

Sonntag mittag ging es nach einem abschliessenden Morgenspaziergang an "unseren" See wieder ab in Richtung Heimat. Es waren wunderschöne Tage, und wir bereuen es keine Minute, diese lange Reise auf uns genommen zu haben.

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© Joachim Johannsen